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Ja, das lohnt sich

Manche rechnen mit einem Rückgang des Krankenstandes durch betriebliche Gesundheitsförderung von gut einem Viertel. Eine Meta-Studie der Initiative Gesundheit & Arbeit über Studien zur betrieblichen Gesundheitsförderung zwischen 2006 und 2012 kommt zu dem Ergebnis eines Arbeitgeber-ROI von 1:2,7. Anders formuliert: für jeden ausgegebenen Euro, kommen mehr als zweieinhalb zurück. Allerdings heißt es in der zitierten Studie auch wörtlich:"Gesundheitsökonomische Evaluationen „leiden“ wie die anderen Wirksamkeitsstudien auch unter der Heterogenität der Zielgrößen und der Komplexität der Untersuchungssituation."

Der oben behauptete ROI ist ein hochverdichteter Wert, der obendrein nicht sagt, was erforderlich ist, um diese Größe zu erreichen, welche Maßnahmen funktionieren und welche nicht — und vor allem welche "Kollateralschäden" entstehen können, wenn man Fehler macht.

Das erste Problem bei der Neueinführung von betrieblichem Gesundheitsmanagement: Man muss ein Tabu verletzen: Der Arbeitgeber hat in den Augen der meisten Mitarbeiter weder das Recht noch die Kompetenz, seine Angestellten gesünder machen zu wollen; dabei in ihr Leben einzugreifen, sie zu Turnübungen vor ihrem Bildschirm zu nötigen, während er obendrein vielleicht gleichzeitig über ihr Smartphone 24-Stunden-Erreichbarkeit fordert. Um einen solchen Eingriff zu legitimieren, muss der Vorteil für den Mitarbeiter diesem unmittelbar einsichtig sein.

Und weil das alle wissen, wird Gesundheitsmanagement mit Fürsorge und Arbeitgeberattraktivität begründet und gar nicht mit dem eigentlich völlig legitimen Wunsch jedes Arbeitgebers, den Krankenstand zu senken und die Mitarbeiterleistung zu erhöhen. Eine solche Mischung aus Übergriffigkeit und Verzagtheit bemerkt ein intelligenter Mitarbeiter - und der Vorgang erhöht weder seine Motivation noch das Ansehen seines Arbeitgebers. Das ist kein Miteinander auf Augenhöhe.

Die meisten der heute am Markt angebotenen Maßnahmen des bGM sind gut gemeint - und damit das Gegenteil von gut gemacht. Viele sind in ihrer Wirkung sogar schlechter, als wenn man gar nichts machen würde. Ein Beispiel: Wenn Sie einen stark übergewichtigen Mitarbeiter mit mehr oder weniger sanftem Druck in eine Laufsportgruppe zwingen (oder er durch die entstehende Gruppendynamik dorthin genötigt wird), dann schaden Sie seiner Gesundheit wahrscheinlich deutlich mehr, als wenn Sie ihm einen Steh-Sitz-Arbeitsplatz anbieten. Ob er ihn dann auch will (und, wenn er ihn will, weil ihn alle wollen, auch nutzt), steht wieder auf einem anderen Blatt.

Womit wir bei einem weiteren zentralen Problem wären. In allen Diskussionsrunden, die wir zur betrieblichen Gesundheitsförderung erleben (und es sind derzeit nicht wenige), geht es um die Frage, wie man vermeiden kann, dass die 10 oder 15 Prozent, die sich ohnehin um ihre Gesundheit kümmern, die betrieblichen Maßnahmen in Anspruch nehmen und alle anderen sich wegducken. Diese Frage allein offenbart das Risiko konventionellen betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Es geht auch anders: ehrlicher, billiger und unter verhaltensökonomischen Aspekten wesentlich effektiver. Wir nennen es Silent Health-Management.

Es beginnt damit, dass "Gesundheit" (und damit automatisch auch "Krankheit") zwar offensiv thematisiert, Maßnahmen für die Gesundheit aber ohne Störungen des Tagesbetriebs installiert werden. Leise Maßnahmen: die Schließung der Anerkennungslücke bei der Führung, das "Herumdrehen" des Parkplatzes (wer wichtiger ist, parkt weiter weg), die gezielte Belohnung von Mitarbeitern, die sich um ihre Gesundheit kümmern (ja, die 10 bis 15 Prozent, die so viele am liebsten außen vor lassen würden, aber bitte nicht mit den kontraproduktiven Gesundheitsprämien!).

Die Einrichtung von Steh-/Sitzarbeitsplätzen, aber nur für Mitarbeiter, die sie auch haben wollen und die bereit sind, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Umwandlung von Sitzungen in "Stehungen": erhöhen Sie einfach Ihre Besprechungstische auf über einen Meter. Zu dieser Maßnahme gibt es bereits Studien, die zeigen, dass Besprechungen bei besseren Ergebnissen nur noch ein Drittel der sonst üblichen Zeit kosten.

Vertrauen dem Mitarbeiter gegenüber, indem man zum Beispiel die ärztliche "Krankschreibung" vom ersten auf den dritten Krankheitstag verlegt. Das ist ein starkes Signal eine starken Führung.

Vor allem aber wird das natürliche Eigeninteresse des Mitarbeiters an seiner eigenen Gesundheit geweckt, gestärkt und dauerhaft gefördert! 

Genug der Kritik!

Was also kann man als Arbeitgeber sinnvoll tun, ohne in einen ungesunden Aktionismus zu verfallen und dabei auch noch Unsummen auszugeben?

Richten Sie eine betriebliche Krankenversicherung ein, mit einem Schwerpunkt auf dem Vorsorgemodul. Sorgen Sie dafür, dass alle Mitarbeiter wissen, welcher Arzt in Ihrer Umgebung Prävention kann (das erfährt er, wenn Sie unser Kunde sind, auf dieser Webpräsenz). Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Gelegenheit, sich in ihrer Freizeit mit ihrer Gesundheit auseinander zu setzen. Und machen Sie sie nicht durch schlecht ausgebildete und ihrerseits völlig überforderte Führungskräfte krank (der höchste Stress wird nach neueren Untersuchungen nicht durch (zu) viel Arbeit ausgelöst, sondern dadurch, dass die Führungskraft im Raum ist). Eine gute Führungskraft hält die Mitarbeiter durch konsequente und aufmerksame Führung und durch eigene Gesundheit gesund, nicht dadurch, dass sie Kniebeugen im Büro organisiert.

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Übrigens

Betriebliches Gesundheitsmanagement erzielt oft mit den kleinsten Veränderungen geringinvasiv enorme Wirkungen:

Nehmen wir das Beispiel Besprechungen: Sie dauern im Stehen ein Drittel der im Sitzen benötigten Zeit, sie erzeugen bessere Ergebnisse (weil die Teilnehmer mehr Luft bekommen und unter anderem der Kopf besser durchblutet wird) und das tägliche Bewegungssoll wird außerdem bedient. Mehr Zeit kann man gar nicht gewinnen. Wenn Sie dann obendrein keine Kekse/Obst oder sonstigen Nahrungsmittel anbieten und an Getränken nur Wasser, wenn Sie mit Ihren Mitarbeitern offen kommunizieren, jederzeit freundliche und dabei klare Rückmeldungen geben, das Ganze am Ende mit der Durchsprache des bereits fertigen Ergebnisprotokolls abschließen, haben Sie mehr für die Firma und Ihre Mitarbeiter getan, als es komplexe Gesundheitsprogramme und Nordic-Walking-Gruppen in der Mittagspause vermöchten.