Kontakt:
06761 91745 0

Wöchentlich eins

Wer schneller lesen und besser schreiben lernen will, kann das über eine unserer Schreibwerkstätten tun - wir freuen uns natürlich, nichts macht mehr Spaß (uns und Ihnen dann hoffentlich auch) als gemeinsam das Abenteuer Sprache zu bestehen. Aber wir machen uns (und Ihnen) nichts vor: in einer Woche (und mehr noch in drei Tagen oder gar in einem, so kurz sind einige unserer Einstiegs-Werkstätten) kann man zwar die Prinzipien verstehen - nicht jedoch flüssig werden.

Darum empfehlen wir immer, täglich mindestens 2.000 Schritte zu gehen, mindestens 1.000 Wörter zu lesen und mindestens 100 zu schreiben. Das gilt aber nur für Menschen, die nicht besonders geübt sind und gerade erst (wieder) anfangen. Am Ende sollten es 10.000 Schritte sein, mindestens 5.000 gelesene und 1.000 geschriebene Wörter (die dann allerdings ruhig auf die Hälfte gekürzt werden sollten, kürzen ist die einfachste Möglichkeit, aus einem mäßigen Text einen verdaulichen zu machen).

Jede Woche ein Buch - nein, dass ist keine Zeitverschwendung, schließlich ist das die schnellste und gleichzeitig kurzweiligste Methode das eigene Schreiben voranzubringen. 

Apropos Bücher

Ein und derselbe Text präsentiert sich im unterschiedlichen Gewande.

E-Bücher - ein Gewinn für den Leser

Das E-Buch ist schwerelos, ganze Bibliotheken kann man auf einem einzigen Reader unter dem Arm, ja, in der Jackentasche, mit sich herumtragen. Hinter dieser Bibliothek liegt eine unerschöpfliche in den Wolken. Das E-Buch ist leicht durchsuchbar, man kann drin rum markieren, ohne dass es zukünftige Leser irritieren müsste. Zukünftige Leser gibt es nicht, jedenfalls nicht für genau dieses Exemplar (oder geben Sie Ihr Smartphone aus der Hand?). Wer will kann sich dennoch anzeigen lassen, was andere Leser markiert haben. Und hier zeigt sich auch gleich einer der Ambivalenz-Punkte dieser Buchform: Man liest, wenn man es nicht abschaltet, öffentlich, jeder kann sehen, was andere angemarkert haben und andere sehen unter Umständen, was man selbst macht. Zwar tritt man bisher nur für den Lieferanten des Buchs, des Readers, der App persönlich auf, andere Leser können einen normalerweise nicht identifizieren, aber die Privatheit des Lesens erodiert dennoch. Das Gefühl der Einzigartigkeit des Vorgangs verschwindet.

Zurück zu den Vorteilen: Ist es ein Buch in einer Fremd- oder Fachsprache, die ich nicht vollständig beherrsche, kann ich mit einem unmittelbar verfügbaren Lexikon einzelne Wörter unmittelbar nachschlagen, oder, wenn das nicht reicht, gleich im Internet weiter recherchieren. 

Der vielleicht größte Vorteil, sei es bei Belletristik oder Fachbuch, ist die Durchsuchbarkeit: Man kann einzelne Wörter oder ganze Sätze in Sekunden finden, ohne sie je markiert haben zu müssen.

Das E-Buch ist beliebig aktualisierbar, diese Möglichkeit wird gerade für Fachbücher gerne genutzt. Oft ist der ganze Apparat aus Annmerkungen und Bibliographie ausgelagert. Das nicht zuletzt wegen einer gravierenden Schwäche des E-Buchs: es ist (bisher) unbequem in ihm zu blättern, man muss scrollen, springen und dabei die ursprüngliche Seite verlassen.

Das ist der Grund warum ich möglichst auch immer das gedruckte Exemplar parallel vorhalte.

Lob des gedruckten Buchs

Der vielleicht größte Vorzug des gedruckten Buchs ist, dass man es in der Hand halten kann. Die Verdinglichung von Gedanken, was für eine großartige Vorstellung. Man kann es mitbringen, weitergeben, zerreißen, ins Altpapier werfen, Eselsohren hineinmachen, den Rücken ausleiern, indem man es offen "auf den Bauch" legt, welche Körperlichkeit! Man kann darin herumkritzeln. Aber auch wenn man seinem gedruckten Buch all diese Vernarbungen ersparen will - und wer will ein Buch (vor allem, wenn es ein hochwertiger Bildband oder ein sehr altes Exemplar ist) so behandeln, wie oben dargestellt, hat man mit einem haptischen Exemplar einfach mehr machen als mit einem E-Buch.

Denn auch wenn man ganz vorsichtig mit dem Druckbuch umgeht, es schadet ihm nicht, lässt man den Finger auf der zuletzt gelesenen Seite liegen und blättert sodann mit der anderen Hand im Buch vorwärts und rückwärts. Einfach weil man schnell was nachschauen will (z.B. wieweit dieses furchtbar langweilige Kapitel noch reicht) oder weil man gleich wissen will, wer der Täter ist. 

Wieder ambivalent. Denn diese Stärke ist auch eine Schwäche: Alles in einem gedruckten Buch kann polychron - gleichzeitig angegangen werden. 

Zeitreise in die Kindheit

Das Hörbuch

Das Hörbuch ist zweifellos nicht nur deshalb so populär geworden, weil es überall dort "gelesen" werden kann, wo das normalerweise nicht geht, zum Beispiel beim Autofahren. Allerdings würden wir das nur bei einigermaßen gutem Wetter und überschaubarem Verkehr raten. 

Der andere Grund ist, dass es natürlich leichter ist, ein Buch zu hören, als eines zu lesen, vor allem wenn ein Profi liest und last but not least schleichen sich Erinnerungen an die Kindheit ein, unter der Bettdecke eingepackt und dann eine Gute-Nacht-Geschichte (wobei man schon als Kind ein verlässliches Gefühl dafür bekommt, wer gut liest).

Hörbücher eignen sich unserer Meinung nach besser für Belletristik als für Fachbücher (wenn man nicht zu der kleinen Gruppe von ca. 10% von Leuten gehört, die eher auditiv als visuell veranlagt sind, wenn es um das Lernen von Stoff geht). 

Das Hörbuch hat letztlich zwei Autoren, den der es ursprünglich geschrieben hat und den, der es vorliest, es kommt ein anderer Text an, als der, den wir vom Papier gelesen hätten.

Was uns zu einer unmäßigen Kombination bringt, die wir für gute Bücher (und was das ist, muss jeder für sich entscheiden) immer empfehlen würden.

Das gedruckte E-Hörbuch

Dieser Wolpertinger unter den Büchern existiert. Nicht für jedes Buch, aber für immer mehr. Und es funktioniert besonders gut, wenn E-Buch und Hörbuch miteinander synchronisiert sind. Auch hier liefern Sie wieder Daten ins Netz, wir nehmen das in Kauf, denn nichts schlägt die Kombination, wenn man morgens im Auto auf dem Weg zur Arbeit und anschließend auf dem Weg zum Bahnhof ein Hörbuch hört, im Zug das Tablet öffnet und an der Stelle weiterlesen kann, an der man das Hörbuch verlassen hatte. Zunächst klingt beim Lesen oft noch die Stimme des Vorlesers mit, dann ist man plötzlich wieder mit dem Autor und den eigenen Gedanken allein. Nach einem längeren Tag müde, nimmt man auf der Rückfahrt vielleicht gleich die Kopfhörer, um weiterzuhören und wundert sich zunächst, dass der Vorleser eine ganz andere Stimmung transportiert, als die, in der man sich beim Selbstlesen befunden hatte. Abends im Bett, die Elektronik möglichst weit weg (Schlafhygiene...) hat man beim Schein der Nachttischlampe, das hoffentlich keinen blauen oder violetten Anteil hat, dann das Druckbuch in der Hand, das man noch ganz altmodisch selbst "synchronisieren" muss und stellt erstmal erstaunt fest, durch wie viele Zentimeter man heute gepflügt hat oder getragen worden ist.

Fazit

Es gibt keine "beste Form" des Buchs. Es gibt nur unterschiedliche Ansätze, die sich ergänzen oder vertreten und die ganz sicher zusammen mehr sind als nur die Summe ihrer Teile.

Und noch eine Nachbemerkung, weil der Einwand sicher kommt: Ja, aber ist das nicht sehr teuer? Zum einen ist die Kombination aus E- und Hörbuch häufig, kauft man beides zusammen, billiger als die Summe der Einzelkäufe. Und zum anderen empfehlen wir das natürlich nicht für jedes Buch, nur für die, die es wert scheinen. Welche das sind? Das können Sie doch wunderbar selbst entscheiden, die Technik macht's möglich: Hören Sie unverbindlich in's Buch rein, lesen Sie in der Leseprobe. Wenn Sie allerdings wissen wollen, wie sich ein Buch anfühlt, dann müssen sie in die Buchhandlung (ja, ja, wir wissen, dass man Bücher auch bestellen und zurückschicken kann...).